The Moulettes waren live in Berlin

Im März war ich zu einem bemerkenswerten Konzert. Zu Gast waren The Moulettes, diese englische Indie-Folk-Band, auf deren aktuelles Album wir hier bereits hingewiesen haben. (Text: Ali Tschertow)

Das Konzert war im Privatclub Berlin – herrlich gelegen in der Skalitzer Straße, in einer Ecke eines alten Postamtes, im Schatten der Hochbahn. Der Privatclub ist einer dieser super knuffigen kleinen hauptstädtischen Clubs, deren Atmosphäre irgendwie ganz dicht an der des heimischen Wohnzimmers ist und die dabei trotzdem so professionell sind wie die ganz großen.

Eines ist mal klar – The Moulettes brauchen keine Lasershow und auch Feuerwerk würde nur ablenken. Das Feuerwerk welches The Moulettes abbrennen ist ein Soundfeuerwerk, ein Zunami der Melodien. Das superlativistische dabei ist nicht etwa die Lautstärke die aus den Boxen bricht und dich umhaut, sondern vielmehr die Vielschichtigkeit des hier gezeigten englischen Indie-Sounds.

Schon der erste Blick auf die Bühne macht klar, dass hier etwas anders ist. Neben Gitarren und Schlagzeug treiben sich bei The Moulettes auch das eher in der Klassik heimische Fagott, ein historisch wirkendes Cello und eine aus der Blugrass-Musik bekannte Auto-Herfe auf der Bühne herum. So erklärt sich gleich mal der außergewöhnlich interessante klang der Band.

Und dann sind wir schon bei der Musik: hier sind Leute unterwegs, die einen echten Sinn fürs Detail haben. Die Songs sind unheimlich feingliedrig gebaut – es klingt nicht immer alles wie erwartet, es klingt oft anders und fast immer besser. Auch der Satzgesang von Hannah Miller und Ruth Skipper ist nicht nur ein großartiger Soundeffekt, er ist einfach perfekt. Was bei The Moulettes wirklich auffällt, das ist der Spaß, den die Band offensichtlich beim Musikmachen hat. Ich habe lange nicht mehr so fröhliche Musiker auf einer Bühne stehen gesehen. Die augenscheinliche Entspanntheit der Bandmitglieder überträgt sich beim Konzert auf das Publikum und wenn das Konzert vorüber ist, so stehen beinahe glückselige Wesen vor der Bühne, die sich voller Dankbarkeit einen Tonträger am Merch holen und bei einem Bier das eben gehörte Revue passieren lassen.

So lasse ich mir Kultur gefallen. Erst gibt es ein grandioses Konzert und dann geht es ganz gechillt rüber in den Friedrichshain, wo so viele schöne Kneipen warten. Mein Weg führte mich übrigens ins Abgedreht (Karl-Marx-Allee 140) wo sich offensichtlich seit 1997 nicht viel verändert hat. Der lange Uwe (Ex-Bassist von Halmackenreuther und RAWK) zapft immer noch die Biere und sein schnodderiges „Watt willste?“ ist keine Kampfansage sondern ein nach außen ruppig wirkendes „Willkommen in der Heimat“.

Fazit: Wer die Möglichkeit hat sich The Moulettes live zu geben, der sollte auf diese Chance nicht verzichten. Und wenn man sich so ein grandioses Konzert auch noch in heimischer Umgebung gönnen kann, dann ist es die Reise allemal wert.

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