Das Secrets-Festival 2015 – Top oder Flop…?

Jaja… die Überschrift verrät es schon. Und jeder Besucher des diesjährigen Secrets-Festival wird vermutlich wissen worauf es hinausläuft, doch wie formulieren, ohne zu hart zu klingen? (Text: Amira Schauki)

Ein Flop war es nicht gerade doch es ist nicht abzustreiten, dass so einiges schief gelaufen ist auf dem anfangs noch so viel versprechend klingenden Newcomer-Festival nahe Berlin. Schon bei der Ankunft wiesen sich erste Missstände auf. Die versprochene Parkfläche, die sich nur 800 m vom Festivalgelände entfernt befinden sollte, lag mehr als 1,5 km entfernt auf anliegendem Feld. Von dort aus mussten viele der Festivalbesucher, die weniger Glück beim Parkplatz finden im anliegenden Dorf Marienwerder hatten, schwer bepackt und unter erbarmungsloser Sonneneinstrahlung zum Festivalgelände laufen. Dazu verspätete sich der Einlass um mehr als eine Stunde, ein Problem für all jene die schon früher gekommen waren und nun nicht wussten was sie tun sollten, denn das Baden im angrenzenden Kanal war nicht erlaubt. Somit blieb nichts als das Brüten bei 35°C im Schatten. Auch das Festivalgelände hielt kaum die Versprechungen ein, die auf den vielen Bildern im Voraus getätigt wurden. Statt viel Grünfläche und schattenspendenden Bäumen bot sich den Gästen eine brache, staubige Fläche, teilweise sogar mit Beton-/Steinflächen, durchschnitten von einem Kanal. Nur in wenigen Ecken fand man die ersehnte Abkühlung, unabhängig vom Wasser. Die liebevoll platzierten Hängematten und andere schattige Plätzchen waren demzufolge schnell besetzt und wurden nie wieder frei gesichtet.

Generell vermittelte die Veranstaltung eher Bade- und Urlaubsfeeling als alles andere. Über die Hälfte aller Besucher hielten sich die meiste Zeit im Wasser auf. An sich war das nichts Schlechtes, jedoch geriet somit die eh schon in den Hintergrund gerückten Musik-Acts völlig in Vergessenheit. Tagsüber sichtete man ein paar verlorene Seelen vor der Mainstage, gegen Abend stießen ein paar dazu jedoch war der Platz vor der Bühne nie gänzlich ausgeschöpft. Unterstützt wurde das Dilemma durch viele Verspätungen die dafür sorgten, dass sich das Bühnenprogramm zeitlich völlig verschob und dem Ausfallen einiger Acts, auf die sich sogar manche gefreut hatten (trotz relativ unbekannten Acts im Line-Up). Wer nun also noch Lust auf Musik hatte, der wanderte zu den beiden kleineren Bühnen, unterstützt von TV Noir und ‚Neue Heimat‘. Überraschender Weise zogen diese Bühne wesentlich mehr Gäste an und zwar nicht nur wegen der schattigen Lage. Auch die hier gebotenen Acts und Shows waren sehr unterhaltsam und musikalisch beeindruckend. Da es jedoch nur Nebenbühnen waren, konnte man nicht mit viel Platz rechnen und verbrachte die meiste Zeit stehend und zwischen vielen Menschenmassen. Alles in allem stand die Musik an zweiter Stelle. Soundchecks und Umbau dauerten viel zu lange, es vergingen teilweise Stunden, bis es auf einer der drei Bühnen etwas zu hören gab außer ohrenbetäubendes Dröhnen und Wummern.

Auch die Workshops ließen zu wünschen übrig und das, obwohl ich mich so darauf gefreut hatte. Der für Freitag angesetzte Origami-Workshop verlor einige Teilnehmer durch unnötige Verspätung des Betreuers. Auch wir verließen den Bereich als nach 20 min immer noch niemand aufgetaucht war und wir auch keine Infos darüber erhielten, was nun mit dem Kurs passierte. Ob er dann noch stattfand ist mir bis heute ein Rätsel. Für die Kräuterwanderung am darauffolgenden Tag erschien zwar eine Betreuerin, jedoch verließen wir auch diese Veranstaltung nach 5 min, als sie mit heiserer Stimme zu gab, mit diesen Menschenmassen völlig überfordert zu sein. Ursprünglich sei der Kurs nicht für mehr als 20 Personen angesetzt (Anzahl der Anwesenden: ca. 40). Als wir nach besagten 5 min immer noch kein Wort des leisen Flüsterns verstanden hatten verließen wir auch diesen Bereich mehr oder minder enttäuscht. Der anschließende Kräutersmoothie-Workshop hatte sich für mich somit auch gegessen. Die größte Enttäuschung für die meisten der Besucher waren jedoch die angesetzten Stand Up-Paddling Kurse. Hier konnte man wählen zwischen dem einfachen Schnupperkurs, SUP-Yoga oder SUP-Meditation. Theoretisch. Praktisch sah es jedoch anders aus. Die SUP-Area wurde derartig überrannt, dass lediglich ein paar (max. 10) von mindestens 100 Gästen überhaupt teilnehmen konnten. Zudem wurden wir überrascht von der Aussage, es sei eine Anmeldung notwendig, von der weder ich (noch sonst jemand) wusste wo man sie hätte tätigen sollen. Das angekündigte Open-Air-Kino mit eher uninteressanten oder gar schlechten, einstündigen Kurzfilmen war jedoch der größte Flop aller Attraktionen, denn hier fand sich nicht ein Freiwilliger, der sich das antun wollte. Nach all diesem Chaos war es dann wenigstens schön von anderen Gästen positivere Dinge zu hören. So waren z.B. das morgendliche Yoga am Strand, der „Frische Säfte“-Workshop und der Hoola Hoop-Kurs ein voller Erfolg.

Doch nach all der Kritik nun auch noch ein paar positive Aspekte. Begeistert war ich von der tollen Kinderbetreuung. Zwar wurden die Kinder hier nicht im klassischen Sinne abgegeben (das Beisein der Eltern war Pflicht) jedoch wurde ihnen hier jede Menge geboten, die Kinder konnten spielen, basteln und sogar einen kleinen Zirkus gab es. Auch die kreative Umsetzung einiger Ideen gefielen mir sehr gut. So konnte man auf dem Design-Market eigene Blumenkränze aus frischen Blumen basteln oder sich bei TATATAT mit temporären Tattoos schmücken lassen. Die vielen Installationen auf dem Gelände boten Platz für Neugier und waren teilweise sogar zum Mitgestalten gedacht. Unabhängig davon gaben sie dem Festival einen Hauch des bekannten „Burning Man“ Festivals (Nevada, USA) ab. Am besten gefiel mir persönlich jedoch der Food Market. Im vergleich zu üblichen Festivals bot sich hier eine sehr große Vielfalt an interessanten und internationalen Gerichten wie z.B. Pad Thai oder herzhafte Crêpes aus der Bretagne. Trotz der hohen Preise waren hier stets lange Schlangen anzutreffen.

Fazit: Die Idee eines Festivals, auf dem Kunst, Musik und gutes Essen vereint werden ist nicht schlecht, wenn auch nicht die jüngste. Gerade deshalb hätte ich etwas mehr erwartet. Natürlich war es der erste Geburtstag des Secrets, somit lässt sich vieles entschuldigen. Mangelhafte Organisation und das Fehlen von wichtigen Ansprechpartnern zählt jedoch nicht dazu. Vielleicht hat man sich hier etwas übernommen. Alles in allem war es jedoch kein Reinfall. Hoffentlich klappt es im kommenden Jahr besser!

Musik-Empfehlungen:

Bukahara – Eyes Wide Shut (!!)
Tom James – Blood To Gold
Foxos – Heartbeats

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