Peter Perrett – „How The West Was Won“

Ist Lou Reed zurück?

Natürlich ist Lou Reed nicht zurück. Aber wenn man Bruchstücke von aktuellen Songs nur so nebenbei aufschnappt, dann kann sich dieser Gedanke durchaus einschleichen. Die Stimmen von Reed und Perrett klingen wirklich sehr ähnlich. Ja es gibt verrückte Theorien nach denen diverse Musiker ihren Tod vortäuschen würden um ungestört leben zu können… Aber nein!

Hier geht es tatsächlich um Peter Perrett und sein neues Album.

Perrett hatte sich von 1976–1981 mit den Only Ones einen Namen gemacht und für die Band Songs geschrieben. In den Stücken ging es vor allem um sein Leben und um Dekadenz und somit wieder um sein Leben. Peter Perrett lebte damals ein Leben auf der Überholspur „I always flirt with death”, begann sein wohl berühmtester Song „Another Girl, Another Planet“. Sein Universum war voller schräger und merkwürdiger Gestalten, jedoch viel zu gefährlich, um es zu bewohnen. Perrett war immer wieder Opfer seines exzessiven Drogenkonsums und über zehn Jahre drang nichts von ihm ins Radio.

peter perrett

Was ein Songwriter schreibt sollte authentisch sein oder doch wenigstens mit seinem Denken harmonieren. Wenn das nicht der Fall ist, dann wird es ganz schnell peinlich und unglaubwürdig. Bei Peter Perrett passten Leben und Texte zusammen wie Arsch auf Eimer und so kann er auch ganz entspannt über Wiederauferstehung und Erlösung singen. Perrett nimmt sich dabei auch nicht besonders ernst. Er würzt seine Songs mit dem für ihn so typischen trockenen Humor, sieht zurück mit einer Träne im Knopfloch und entführt den Hörer musikalisch in einen verlockenden und streckenweise psychedelischen Strudel – gewürzt mit einen Quäntchen Siebzigerjahreappeal und dieser so markanten Stimme, die irgendwie nichts angeht und die doch so wichtiges sagt.

Es ist schön diesen älter und weiser gewordenen Peter Perrett hören zu dürfen.

In gewisser Weise ist das Album von Perrett eine echte Familienangelegenheit, denn es gibt Liebeslieder wie  „An Epic Story“ und „C Voyeurger“, die Peter seiner Frau Zena gewidmet hat. Seine beiden Söhne Jamie und Peter Jr. spielen Leadgitarre und Bass.

Es gibt aber auch Songs bei denen Perrett über seinen Tellerrand und auf eine Welt blickt. Im Titelsong wettert er gegen den amerikanischen Imperialismus und die heutige Celebrity Culture. „Man Of Extremes” zerbricht an einer Gesellschaft, die viele Menschen in die Ecke stellt oder in die Kriminalität treibt. Der Hexenkessel in „Sweet Endeavour“ ist ein Ort des Schreckens, an dem man mit den eigenen Dämonen allein gelassen wird.

Peter Perrett lässt jeden Song auf „How The West Was Won“ ganz natürlich und unbeschwert klingen, so als würde er eine gerade unterbrochene Unterhaltung fortsetzen. Mit „How The West Was Won“ ist Perrett ein großartiges Album mit zum verzweifeln schöner Musik und dramatisch-schönen Texten gelungen.

Peter Perrett – „How The West Was Won“ erscheint am 30.06.2017 via Domino Records.

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