Polder – TOKYO HEIDI

Gibt es eine Schnittstelle zwischen Gamer und der Cyber-Realität seiner Spiele?

Die Regisseure Samuel Schwarz und Julian M. Grünthal meinen ja und gewähren uns mit „Polder – TOKYO HEIDI“ einen Einblick in ihre Gedankenwelt.

Stark heruntergebrochen könnte man die Handlung so umschreiben: Ryuko, Witwe von Gamedesigner Marcus taucht über dessen Laptop in die paranoide Welt seines neuesten Games ein und verirrt sich in einer Welt aus Hexen, Terroristen und Magie.

Die Story wäre wohl auch ein super Plot für den neuen Bond-Film. Also gucken wir uns die Geschichte etwas genauer an. Marcus, Spieleentwickler bei NEUROO-X ist dabei die Grenze zwischen Wirklichkeit und Realität aufzubrechen. Ein neues Gadget, das sagenumwobene ROTE BUCH, soll das ultimative Spielerlebnis bieten. Die geheimsten Sehnsüchte der Gamer werden von der Engine gescannt und in phantastische Adventures verwandelt. Sozusagen eine Schnittstelle zwischen Spieler und Cyber-Realität. Marcus stirbt kurz vor der Fertigstellung des ROTEN BUCHS. Ein Zufall? Seine Geliebte Ryuko findet indes heraus, dass bei der Testreihe des Spiels in China furchtbare Dinge geschehen sind. Je tiefer sie in das Geheimnis von NEUROO-X abtaucht, umso mehr

verliert auch sie den Bezug zur Realität. Sie vernachlässigt ihren Sohn Walter, der sich in das Game einloggt und in der digitalen Parallelwelt verschwindet. Ryuko findet sich wieder in einer Welt voller Dämonen, Hexen, Ritter und Terroristen.

Die Filmemacher sagen über den Film:

„Polder ist ein cineastischer Höllentrip in die magische Psycho-Erzählwelt von IT-Konzernen und handelt – wie die ARG’s – von unseren Beziehungen zu diesen großen Unternehmen, die den Stoff liefern, aus dem unsere Fantasien gemacht sind. Es war hochkomplex, die Bedingungen eines Transmedia-Projekts in Einklang zu bringen mit dem „Usual Way“ der deutschen und schweizerischen Filmproduktion. Unsere Filmindustrie lebt noch stark im 20.Jahrhundert. Die „Wasserfall-Methode“ ( Prinzip: Eins nach dem anderen ) dominiert in unserer Filmherstellung nach wie vor im Verhältnis zu der „agilen Methode“ (Prinzip: Alles gleichzeitig). Moderne Narrative von Gameindustrie oder

Streamingsdiensten wie Netflix werden vermehrt mit dieser agilen Methode produziert. Wir konnten Figuren zusammen mit dem Zielpublikum „testen“, ohne einen teuren Pilotfilm produzieren zu müssen. Unsere ARGs waren sozusagen unsere Prototypen für die teurere Filmerzählung. Wir sagen

tokyo heidi

nicht, wir wissen wie man in Zukunft produzieren soll. Wir sagen nur: Wir haben etwas ausprobiert, an dessen Verbesserung wir nach wie vor permanent arbeiten. Für uns ist die Reise noch nicht fertig. Die POLDER – TOKYO HEIDI STORYWORLD wird permanent weiterentwickelt für weitere

Auswertungen. Es werden Hörspiele folgen, Podcasts, weitere magische Erscheinungen im Stadtraum. Parallel werden Google, Facebook und Apple miteinander um die Weltherrschaft kämpfen……“.

POLDER – TOKYO HEIDI verspricht einen spannenden Kinobesuch, einen Medienrausch der uns nicht nur an der Handlung teilhaben sondern uns in diese eintauchen lässt. Schwarz und Grünthal liefern neben einer tollen Geschichte auch viel Stoff für Diskussionen zu Ethik und technischer Machbarkeit.

POLDER – TOKYO HEIDI startet am 1. Dezember im Leipziger Luru Kino und wird sicher für Kontroversen sorgen.

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