Sidestepper – „Supernatural Love“

Von einem britischen DJ und kolumbianischer „Volksmusik“ (Text: Das Eric)

Sidestepper melden sich zurück, mit Crowdfunding-Cumbia und einem Schuss Elektro.

Eigentlich wollte Richard Blair nur für einige Wochen bleiben, sein Besuch in Bogotá, Kolumbien, dauerte jedoch mehrere Jahre. Der Grund: die Faszination an den traditionellen Cumbia-Rhythmen. 1992 hatte der Engländer während seiner Tätigkeit bei Real World Records am Album „La Candela Viva“ von Totó la Momposina mitgewirkt, wo wohl (gemessen an seiner weiteren Tätigkeit) gleich ein ganzes Funkenheer auf ihn übergesprungen sein muss.


Jedenfalls verdanken wir dieser Begeisterung das Projekt „Sidestepper“, mit dem Blair die Drum&Bass Szene Londons um Einflüsse der traditionellen kolumbianischen Musik zunächst als Solo-DJ, später mit kompletter Band, zu erweitern suchte und einiges an Erfolg vor Allem in seiner Wahlheimat erntete. Immerhin formte er dort das Image des Cumbia so stark um, dass aus verstaubter, langweiliger Musik für die ältere Bevölkerung eine ganze Neo-Cumbia-Szene (Chocquibtown und Bomba Estereo sollen als weitere Vertreter genannt sein) entstanden ist, als deren Vorreiter Blair und sein Musiker-Kollektiv Sidestepper sich zu Recht fühlen dürfen.

„Supernatural Love“ stellt jedoch mehr einen Neustart dar; lange 8 Jahre ohne Plattenvertrag hatte man zuletzt auf sich nehmen müssen. Aber was bei Videospielen und Wohltätigkeitsprojekten funktioniert, zündete dann auch bei Sidestepper – Crowdfunding. So wurde das neue Album von den Künstlern komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert. Neu ist diesmal auch Sidesteppers Gewichtung der beiden Kammern im Herzen von „Supernatural Love“: die elektronische Komponente tritt zugunsten des Cumbia deutlich in den Hintergrund, ein organischerer Sound mit stärkerer Orientierung an der Tradition ist die Folge. Die typischen Beats gibt es zwar weiterhin, doch gespielt von Gitarre, Flöten, Kalimba und Handtrommeln zur Verstärkung des sehr präsenten Gesanges. Lediglich einige Basslines, Loops und einiges Sampling bezeugen die DJ-Herkunft Blairs. Sie werden jedoch eher unterstützend verwendet. Der Fokus des Albums liegt damit eher auf „back to the basics“, man legt instrumental selbst wieder mehr Hand an. Solider und mit wärmerem Klang präsentiert sich dann auch das Ergebnis, weg vom Mainstream und mehr das eigene Ding. Sidestepper liefern damit für das neue Album genau das, was sie während des Fundraising versprochen haben und stecken weiter neue Grenzen ab.

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