Buntspecht – „Draußen im Kopf“

Zwischen Jazz und Chanson  

…und das trifft es nicht einmal im Ansatz.

Wenn ich Musik höre und nicht sofort etwas dazu sagen kann, dann ist dies keine Kritik am Gehörten. Es ist wohl eher die Überraschung oder wie in diesem Fall das Gefühl einer Offenbarung teilhaftig geworden zu sein.

Beim Anhören der aktuellen Platte von Buntspecht, dem Sextett aus Wien, hatte ich dieses Gefühl. Die Band, bestehend aus Florentin Scheicher – Melodica, Florian Röthel – Percussion, Jakob Lang – Bass, Lukas Chytka – Cello, Lukas Klein – Gesang / Gitarre und Roman Geßler am Saxophone, veröffentlicht am kommenden Freitag ihr zweites Album.

Buntspecht Band

Diese Band hat keine Angst vor Genres oder davor diese zu vermischen. In ihrer Art Musik zu machen haben Folkelemente, ein bisschen Pop, das Wiener Lied, Gypsy Swing und Bossa Nova ihre Daseinsberechtigung. Die deutschsprachigen Texte der Sechserbande sind gnadenlos poetisch, gern spöttisch oder verträumt, aber auch sanft, beschwingt oder brachial. All diese Elemente verstehen sie miteinander zu verbinden und schaffen so etwas Wunderbares.

Zu den Songs von Buntspecht kann man bestens seinen Sonntagskaffee trinken, man kann auch einfach bewusst zuhören und den Texten folgen. Man kann aber auch super zu den Stücken Tanzen, sich in ihnen verlieren und neue Orte betreten. Und so wie sich die Buntspechte nicht um Schubladen scheren kann man auch zu ihrer Musik alles auf einmal tun.

Auch wenn Vergleiche doof sind – gerade wenn eine klare Zuordnung nicht möglich als auch nicht gewollt ist, so will ich doch ein paar Namen aufzählen von denen ich ein Stück in der Musik von Buntspecht zu entdecken glaubte. Meine Liste beginnt mit Hans-Eckardt Wenzel und Element of
Crime, doch auch Tom Waits, Gerhard Schöne, Stephan Noè und die Spielfreude des Sun Ra Arkestra treiben sich in der Musik der Wiener Band rum.

Buntspecht ist mit absoluter Sicherheit eine der spannendsten Entdeckungen dieses Jahres. Die Konzerte der Wiener sind oft ausverkauft und die nicht hinein kamen stehen oft vor der Tür um wenigstens etwas von der Musik mitzubekommen.

Das Artwork zu „Draußen im Kopf“ stammt wie Texte und Musik ebenfalls von Buntspecht. In den klassischen Plakatfarben rot, schwarz und weiß gehalten, mit klarer Schrift und schwungvollem Pinselstrich. Das Booklet beherbergt die Texte, dreifarbig gehaltene Illustrationen und Fotos der Band. So sind Cover und Booklet die ideale Ergänzung zur Musik der Buntspechte.

Dieses Album ist wundervoll poetisch, verträumt, rebellisch oder einfach nur schön und ist bestens geeignet glückliche Stunden zu schenken. Dein Ohr, dein Kopf und dein Plattenspieler werden sich freuen.

Buntspecht – „Draußen im Kopf“ erscheint am 17.05.2019 via Phat Penguin Records / Broken Silence und wird als CD, LP und Download zu haben sein.

Live gibt es Buntspecht am 19.05.2019 in der Kulisse – Wien (AT) und am 30.05.2019 im Badehaus – Berlin.