„Die Trikont-Story. Musik, Krawall & andere schöne Künste“

Die Geschichte eines Labels

Man könnte auch titeln: „Vom Widerstand zum Business“ – doch wäre eine solche Aussage irreführend und könnte als Gemeinheit eingestuft werden.

Gegründet wurde Trikont im Jahr 1967 in Köln. Der Name leitet sich von der 1966 in Havanna ausgerichteten “Trikontinentalen Konferenz der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas” ab. Worum es ging? Es ging um ein eigenes Medium, darum Widerstand in Worte fassen und verbreiten zu können.

Bergmann und Eva Mair Holmes - TRIKONT

Achim Bergmann und Eva Mair Holmes – TRIKONT
(Foto: Heyne Verlag, Sebastian Weidenbach)

Zu Beginn verlegten die Rebellen von Trikont die Schriften von Anarchisten und Hausbesetzern, aber es erschienen auch Schallplatten mit marxistischen Liedern und Gesängen. Trikont fand sich eigentlich immer auf der Seite der Unterdrückten und Ausgebeuteten, von Indianern in den USA bis zu Antifaschisten im damals faschistischen Griechenland.

Neben dem Widerstand kam auch die Unterhaltung zu ihrem Recht. Man veröffentlichte die Platten nicht wirklich revolutionärer deutscher Unterhaltungskünstler wie Rocko Schamoni oder Funny van Dannen. Aber auch echte Kämpfer wie der Liedermacher Hans Söllner, der wegen Liedern wie “A Drecksau is a Drecksau” pausenlos in juristische Auseinandersetzungen verwickelt ist.

Seit 1990 ist Eva Mair-Holmes die einstige „Blatt“-Macherin an Bergmanns Seite bei Trikont.
Mir ist Trikont vor allem wegen seiner Musikveröffentlichungen wichtig. Und hier geht es nicht nur um Kampflieder, hier geht es um richtig gute Musik. Sampler wie „Stranded“ geben einen Eindruck vom musikalischen Gepäck, welches die Einwanderer aus aller Welt in die USA mitbrachten. In Samplern wie „Message Soul“, „Soweto“, „Import Export a la Turka“, „Early Rappers – Hipper Than Hop…“, „Dirty Laundry“ … bot und bietet Trikont einen Blick in das musikalische Tun und dessen Hintergründe in anderen Ecken der Welt.

Ohne dieses Label hätte ich viele Künstler und deren Musik sicher nie kennengelernt und so wäre mein Wissen um Musik sicher um einiges ärmer. Wer mehr als Pop und Klassik mag, sollte sich dieses Buch zulegen, denn zu den spannenden Geschichten um Label und Künstler gibt es unzählige Fotos und Cover zu bewundern. Das Buch ist enorm textlastig aber eben auch super informativ.

„Die Trikont-Story. Musik, Krawall & andere schöne Künste“ von Christof Meueler mit Franz Dobler erschien 2017 bei Heyne Hardcore. (464 Seiten, 30 Euro)

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