Léonie Pernet – „Crave“

Unruhe, Zweifel, Angst und Licht

Wow! Ich habe lange nicht Musik gehört die so deprimierend und doch so schön ist. Wenn Unruhe, Einsamkeit, Zweifel, süße Gedanken und ein Lichtstrahl zusammentreffen, dann wäre „Crave“ der Soundtrack zu diesem Event.

“Crave” ist das Debüt-Album von Léonie Pernet. Die Platte der 28jährigen ist ein Sehnen, das drei Jahre lang anhielt. Es begann mit Pernets erster EP “Two Of Us” und endet nun mit der Veröffentlichung des Albums. Die Platte ist wie diese Nächte, in denen man mit sich selbst kämpft, ohne zu wissen, ob der Morgen jemals kommen wird. Am Ende wird er kommen, aber der Weg dahin scheint endlos und ist zehrend.

Léonie Pernet

Pernet beschreibt die Platte als ein Protokoll der Unruhe. Dieses Album wurde in manchmal toxischer Einsamkeit geschrieben, die nur von Alf (Stéphane Briat) während es Abmischens kurz durchstochen wurde. Dieser asketische Ansatz half Léonie, die keine Freundin von Kompromissen ist und alle Entscheidungen allein trifft. Jeder einzelne Track bekam so viel Aufmerksamkeit als wäre er ein Kind von Léonie Pernet. Produziert wurde das Album in Barbé (Paris) und während der Arbeiten wehte durch das Studio ein spiritueller Wind.

Im Prinzip kommt dieses Produktion von einer einzigen Person. Allerdings von einer Person, die in ihrem Alleinsein von ihren vielen Talenten bewohnt und heimgesucht wird. Léonie Pernet ist einzigartig: sie ist Schlagzeugerin, Pianistin, Arrangeurin und Sängerin mit großem Stimmumfang. Sie ist ein Kaleidoskop ihrer Musikalität und Einflüsse. In “African Melancholia” tönt es weit ernfernt wie mechanische Tiere eines Marilyn Manson, während gleichzeitig in “Crave” die barocke Bandbreite von Klaus Nomi erklingt. Anderswo meint man Echos von Mansfield.TYA zu hören, Erinnerungen an Jeanne Moreau, Rachmaninov oder sogar Philip Glass, oder auch Elemente von Caribou. Ein Gedicht von François de Malherbe verleiht “Rose” seine Worte, während nicht weit entfernt das erhabene “Auaati” die Angst des Seins bespricht in Psalmen auf Arabisch.

“Crave” ist das Protokoll einer Kollision. Es ist ein Plot ein Flussdiagramm von Abhängigkeiten und schrittweiser Befreiung. Eine hybride Kreatur versucht das Meer zu überqueren und tut es am Ende – ganz wie Pernet selbst. Nach einer stürmischen Schulzeit studiert Léonie an der Universität die heilige Kunst liturgischer Musik, während sie zur gleichen Zeit ihre ersten Clubnächte organisiert. Es ist so herrlich wenn größtmögliche Gegensätze aufeinandertreffen. Hieraus entwickelt sie ein aktives politisches Bewusstsein, dass sich zwischen 2013 und 2016 in einer Art Internet-Poesie durch Mixe manifestiert: Mix pour tous, Mix debout und Mix d’entre deux tours; tägliche Mixes aus Elektro-Scratches, präzise gezielten Tiraden und mystischen Lichtquellen – dem Album ähnlich, das nun vorliegt.

„Crave“ ist im Grunde wie Léonie Pernet. Das Album vereint Licht und Schatten – sakrale Songstrukturen und Clubsound. Auch wenn „Crave“ sehr düster ist kommt am Ende immer der Sonnenstrahl und mit ihm das Erwachen aus dem grausig süßen Alptraum. Ein Fest für die Sinne!

Léonie Pernet – „Crave“ erscheint am 21.09.2018 via InFiné.

Léonie Pernet live:
17.10.2018 – FR – Paris, MaMA Festival
14.11.2018 – FR – Massy, Ile-De-France, Paul B.
16.11.2018 – FR – Strasbourg, La Laiterie
28.11.2018 – FR – Brest, LaCarene
29.11.2018 – FR – Rennes, Le Carré Cevigné – Cesson Sevigné