Mickey – “Overtime”

Erfolgreich in die Irre geführt….

… und so die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Ja so kann man die Mickey-Geschichte wohl am besten beginnen.

Irgendwann gab es eine Mail mit einem Pressetext der auf eine spannende Band aufmerksam machen wollte. Die Rede war von der Slowakei, einem kleinen Dorf, von Survival-Pop und einem Aufbruch. Dazu gab es ein Video, super minimalistisch aber ansprechend und witzig, genau wie die Musik. Da musste man einfach neugierig werden. Ich bin der „perfiden“ Promo-Strategie ins Netz gegangen und traf Mickey am 25. Februar im Täubchental.

Gelogen waren die Aussagen im Pressetext nicht. Sie lenkten die Aufmerksamkeit nur auf eine Nische, in welcher die Information spannender schien denn die Slowakei wirkt doch exotischer als Österreich. Chapeau!

MICKEY Band (c Danie lAngermayr)

Hinter dem Bandnamen Mickey stecken Alex Konrad und Klemens Wihlidal. Die beiden Mittdreißiger machen bereits seit der Schule mit einander Musik. Auch ist Mickey nicht ihr erster Ausflug in den Musikbetrieb, denn als Teil der überhaupt nicht unbekannten Indie-Pop Band Gin Ga aus Wien wissen sie wie der Hase läuft.

Zur Zeit pausiert Gin Ga. Alex und Klemens nutzen die Zeit um all die Dinge zu machen die bei Gin Ga liegen geblieben sind. Wie Songs und Fragmente die nur angedacht waren, die sich mit Gin Ga nicht umsetzen ließen oder lassen und auch neue Ideen, die so nur mit Mickey zu verwirklichen sind.

Die Musik von Mickey kann – wenn man bekannte Schubladen bemüht – als Electro-Minimal-Pop verortet werden. Sie nennen es eben Survival-Pop verweisen damit auf ihr Konzept und zugleich auf den Daseinszustand vieler Musiker.

Aber erst einmal zur Musik: Mickey schalten einen Gang zurück. Die Pianoaufnahmen entstanden am Klavier der Tante von Klemens und aufgenommen wurde mit einem Handy. Vor zehn Jahren wäre das sicher höchst experimentell gewesen, doch Alex verweist auf die unglaublich gute Mikrofon-Technik in modernen Handys. Auch spielen sie ihre Tracks nicht hundertmal ein bis diese perfekt sind. Weniger ist mehr ist ihr Motto und so reicht oft der erste Take und wieder ist was im Kasten. Dieser gern als Low Fi bezeichnete Ansatz zieht sich durch alle Songs und auch durch die Videos von Mickey. Immer ein Hauch von unfertig und doch nicht plump genug um schlecht zu sein. Total sympathisch!

Aber das Survival in Survival-Pop bezieht sich ja nicht nur auf die Entstehungs- und Produktionsweise der Songs. Es geht den Beiden auch um das Musikerleben, das oft nicht Wissen wie man die nächste Kreditkarten-Abrechnung bezahlen soll oder ob das Geld für die Tankrechnung reicht. Survival-Pop ist aber kein Gejammer über schlechte Lebensbedingungen. Es ist eher das Wissen um die Freiheit sich komplett neu erfinden zu können, denn wenn man nichts zu verlieren hat kann man auch mal alles ganz anders machen. Man muss fairer Weise sagen das Alex und Klemens Familien haben die ihren Weg unterstützen. So kann es zwar mal eng werden, doch es gibt immer einen Rettungsfallschirm und irgendwann werden ja auch Gin Ga wieder ein neues Album veröffentlichen und auf Tour gehen.

Irreführend ist der Bandname Mickey. Gerade wenn man mal über Suchmaschinen geht landet man häufig in der Zeichentrickwelt. Das ist suboptimal, doch lässt sich der Name prima merken und das ist dann wieder ein Pro für den Namen des Duos. Gemeint ist mit Mickey übrigens Michael “Mickey” Goldmill der Trainer von Rocky Balboa. Alex mag die Rocky-Story – den Weg aus den einfachen Verhältnissen nach oben. Oder bindet er mit da einen Bären auf? Egal!

Mickey hat mit „Overtime“ ein Album produziert das mit dem Perfektionismus bricht und uns wieder mal voller Spannung Musik hören lässt. Musik die nicht High End sein möchte, die Mut zum Unfertigen hat und Spaß macht. Dazu kommt, dass Alex und Klemens ganz entspannte und liebenswerte Typen sind, von denen man sich gern mal neue Sounds um die Ohren hauen lässt. Mit seinen elf Tracks ist „Overtime“ ein vollwertiges Album, welches vielleicht ein paar eingefahrene Hörgewohnheiten aufbrechen kann und uns auf musikalisch neue Pfade führt.

Hört rein, denn es lohnt sich.

Mickey – „Overtime“ erscheint am 16.03.2018 via Rough Trade / GoodToGo.
Text zum Audio

Am 25. Februar spielten Mickey als Support von Leyya im TäubchentalLeipzig. Für FishBookLetters war das eine gute Gelegenheit mit den Alex und Klemens über Mickey und ihre Musik zu sprechen.

Leyya sind im Hintergrund teilweise recht gut zu Hören, wo hingegen das Gespräch fast unhörbar wird. Dennoch ist es absolut hörenswert. Vielen Dank an Mickey und inkMusic.

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