Rachid Taha – “Je Suis Africain”

Als hätte er es geahnt…

“Je Suis Africain“ ist Rachid Tahas elftes Studioalbum. Das Erscheinen findet postum statt, denn Rachid Taha starb im September des letzten Jahres an einem Herzinfarkt. Ethisch ist diese Veröffentlichung allemal, denn bei Rachid Taha können wir mit Bestimmtheit davon ausgehen das er es so gewollt hat.

Zusammen mit Toma Feterman schrieb Taha elf Songs für sein elftes Album. Bei der Arbeit an diesem Album tauchte Rachid Taha sehr tief in seine musikalische Vergangenheit ein. Vom algerischen Chaabi, der so subtil und vielschichtig ist über den Rock-Sound der nach dem Krieg die Welt im Sturm eroberte und seinen Ableger den Punk (im Stil von The Clash) bis hin zum Elektro, der musikalischen Revolution des späten zwanzigsten Jahrhunderts spannt sich der Bogen auf seiner letzten Platte. Es ist als zöge er ein Fazit seines musikalischen Tuns, beinahe so als hätte er sein Ende geahnt.

In seinem Lied „Andy Waloo“ fragt der Meister des Chaáby-Rock prophetisch „Do you really know the others?“ und zitiert Johnny Cash, Oum Kalthoum und Andy Warhol. Diesen treibenden und energiegeladenen arabischen Punk-Electro-Track mit Gitarren, Balafon und Maultrommel schrieb Taha kurz vor seinem Tod am 12. September des letzten Jahres. Er singt: „I was there with you last night, you told me to come. Every week you tell me, I´m waiting for you in my slum, there´s a Picasso exhibition, go see him. What a bastard, he had a nice mirror, I saw Jean Cocteau kissing Jean Marais.“ singt er und endet mit einem Lachen.

Über die Jahre wurden die raue Stimme und die recht wild Stilmischung zu seinem Markenzeichen. Doch angefangen hat alles als er mit Freunden einen Club eröffnete. Taha enterte die Decks und spielte alles von Oum Kalthoum bis Kraftwerk und von Led Zeppelin über Neil Young bis The Clash. Mit Gründung seiner ersten Band Carte de Sejour (Green Card) war denen die mit offenen Augen unterwegs waren klar, das eine neue Stimme in der Szene angekommen war.

Die Arbeit an „Je Suis Africain“ war sehr zeitintensiv und auch sehr raumgreifend. Für Aufnehmen ging die Reise bis nach Bamako (Mali) und immer mit dabei war Toma Feterman, der Freund, Multiinstrumentalist und Gründer von La Caravane Passe – einer Band die Rap, Gypsy-Jazz, Balkan-Fanfare und Alternative-Rock mischt.

„Je Suis Africain“ ist ein bewegendes Album. Es ist musikalisch bunt und sehr dicht. Rachid Taha nimmt uns noch einmal mit auf eine musikalische Reise durch sein Leben, von Songs ganz dicht am Chaaby-Rock seiner Anfangszeit bis hin zu schnellen punkigen Tracks die mitreißen und aufwühlen. Irgendwie steckt das Album immer im Player und wenn ich da bin, dann läuft es auch. Ohrenfutter de luxe!

Rachid Taha – „Je Suis Africain“ Erscheint am 20. September via Soulfood Music.

Es ist so schade, dass er uns so früh verlassen hat und es ist zu gleich so schön, dass er dieses Album fertig stellen konnte und uns so ein Destillat seiner Musik hinterlässt.