Schlammpeitziger – “Ein Weltleck in der Echokammer”

Ein musikalischerRegenbogen

Hinter dem Namen Schlammpeitziger steckt der Musiker, Zeichner und Performancekünstler Jo Zimmermann, der hoffentlich nicht so wie das Tier gleichen Names unterwegs ist. Zimmermann prägt seit 1992 mit seinem surrealistischen Lo-Fi Krautronica-Sound und zahlreichen Veröffentlichungen bei A-Musik, Pingipung und Sonig den Sound of Cologne entscheidend mit. “Ein Weltleck in der Echokammer” ist nun schon das zehnte Schlammpeitziger Album und zugleich die zweite Platte, die beim Hamburger Label Bureau B erscheint.

Beim Reinhören in den Titeltrack “Weltleck” wird schon nach wenigen Sekunden klar, dass Jo Zimmermann mit allem anderen als einer routinierten oder erwartbaren Platte um die Ecke kommt. Der eigenwillige Art-Electro-Sound von Schlammpeitziger trifft hier auf wundervoll außerirdische Dub-Echoschleifen.

Jo Zimmermann sagt über den neuen Schlammpeitziger-Sound: “Eine gute Freundin von mir, Reggae-Expertin Bettina Lattak sagte schon seit Jahren: Deine Musik hat Dub-und Reggae-Einflüsse. Ich selbst hab’s selber nie so wahrgenommen, es hat aber beim einfügen in meine Musik sofort funktioniert. Für mich sehr interessant, ganz frei von allen religiösen Kontexten, allein dem Klang nach”.

Doch finden sich auf den acht sonnendurchfluteten Tracks der neuen Platte nicht nur Dub-Rhythmen. Hier sind auch Disco-Beats, betörend tiefliegende Bässe und die verträumten Melodiebögen zu hören, für die man Schlammpeitziger so liebt. Dieser Sound trägt dich hinaus ins All und bringt dich dann wieder auf den Tanzboden der Tatsachen zurück. In drei Songs ist Jo Zimmermann erstmals auch als Sänger zu hören und übersetzt die Verspieltheit und Kuriosität der Musik in eine ebensolche eigentümliche Sprache, die den entrückten Kosmos verbal erweitert. So erwartet einen in „Handicapfalter“ die lichtdurchflutete Welt außerhalb der Echokammer wie ein Steeldrum-Absurdistan von Kraftwerks „Spiegelsaal“ während „Every Dayhey“ wie ein schwereloser, von sanfter Melancholie verhangener Sonntagsregenwetterdub an den Morgen nach einer viel zu langen Nacht erinnert.

Gemischt wurde das Album wie auch der Vorgänger von dem Kölner Produzenten Stefan Mohr. Untrennbar verwoben mit der Musik von Schlammpeitziger ist zudem die optische Umsetzung von Cover und Videos, die einmal mehr von Zimmermann und seiner kongenialen Kollegin Ulrike Göken verwirklicht wurde.

“Ein Weltleck in der Echokammer” ist ein Album, das Antworten auf Fragen liefert, die niemand zu stellen vermag. Der Sound von Schlammpeitziger macht sich in deinem Kopf breit und stößt Türen auf, die du bis dahin nicht als solche wahrgenommen hast. So öffnen sich neue musikalische Räume – die deine Welt weiter und bunter machen.

Dieses Album passt super in den Spätsommer und natürlich bestens in jedes Plattenregal, egal ob physisch oder virtuell.

Schlammpeitziger – “Ein Weltleck in der Echokammer” erscheint am 25. September via Bureau B als CD, LP und Digital.