FishBookLetters

Musik, Film, Buch…

Monday, September 7, 2026
Roma - Kaffee ganz unaufgeregt Foto: Alexander Tschertow (FishBookLetters) ©

Roma – Kaffee ganz unaufgeregt

Kaffee gehört in Italien zum Leben dazu. Deshalb ist er in Bars auch subventioniert, denn das Lebenselixier eines Volkes soll dieses ja nicht ruinieren. Hier geht es also nicht um den Kaffee an sich, hier geht es um den obligatorischen Caffè al Bar. Während der Kaffee in Geschäften und Supermärkten im Prinzip so teuer wie bei uns ist – bekommt man die gebrühte Köstlichkeit als Caffè (Espresso), Cappuccino, Macchiato oder so in den Cafés die man in Italien meistens Bar nennt, generell zum ganz entspannten Alltagspreis. So richtig günstig ist es, wenn du deinen Caffè al Bancone, also in Stehen an der Bar trinkst.

Früher war die Bar eine Erweiterung der heimischen Küche, Man wusch sich, trank einen ersten Kaffee, zog sich an und auf dem Weg zur Bahn oder zum Auto schlüpfte man noch schnell in die Bar an der Ecke, um dort noch einen stärkenden Kaffee und ein paar Kekse oder wenn die Zeit es hergab ein Cornetto zu sich zu nehmen. Zum Kaffee gab es dann noch den neusten Klatsch aus der Nachbarschaft und die aktuellen Sportergebnisse.

Diese doch eigentlich sehr schöne Tradition wird von vielen Italienern geliebt und dennoch werden es immer weniger Menschen, die sich diese soziale Interaktion am Morgen gönnen. Trotz allem bleibt die Bar das Bindeglied der Menschen in der Nachbarschaft. Kaffee und Klatsch kann man hier ja schließlich auch am Abend bekommen. Natürlich bietet die Karte oft auch Speisen und Getränke an, die für den Start in den Tag weniger und eher am Nachmittag oder am Abend zu empfehlen sind.

Eine solche Bar ist die Bar Giolitti die übrigens auch sehr gutes Eis anbietet. Die Bar Giolitti ist in der Via Amerigo Vespucci Nummer 35 in Rom Testaccio. Diese Bar wirkt wie aus der Zeit gefallen und wenn nicht auf der Straße vorm Haus die aktuellen Autos stehen würden, denn könnte man auch eine Zeitreise in die 40er oder fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gemacht haben.

Dieses einmalige Erscheinungsbild der Bar Giolitti war wohl auch der Grund dafür, dass die Bar als „Gelateria Moretti“ im Kinofilm „C’è ancora domani“ (Morgen ist auch noch ein Tag) als Drehort eine Rolle spielte. In Testaccio befinden sich noch viele andere Drehorte dieses wunderbaren Films und es macht Spaß, sich auf die Suche nach diesen Besonderen Plätzen zu begeben.

Testaccio ist ansonsten ein typisch römisches Wohnviertel, in dem es neben Vielem aus der Vergangenheit natürlich auch hippe Coworking Spaces und Designerstores, aber eben auch ganz normales Leben gibt. Viele Besucher der Ewigen Stadt haben Testaccio nicht auf dem Radar und so hast du hier die Chance dich in einem recht entspannten, weil touristenarmen und sehenswerten Teil der römischen Hauptstadt zu bewegen. Hier gibt es zum Beispiel den Mattatoio Testaccio oder Campo Boario – den ehemaligen Schlachthof aus dem Jahr 1888, auf dem du heute moderne Kunst besichtigen kannst. Ein Teil des Geländes wird immer noch umgebaut und jedesmal wenn du wiederkommst, kannst du hier etwas Neues entdecken.

Zurück in die Bar Giolitti: Du hast dir bestimmt auch ein Eis oder ein Panino geholt. Wenn du vom Schlendern noch nicht genug hast, dann gehe an den von hier nicht weit entfernten Tiber und laufe einfach ein bisschen nach Norden am Fluss entlang. Nach etwa fünfzehn Minuten erreichst du die Isola Tiberina, die Tiberinsel, welche mit Ihren Wiesen der Chiesa di San Giovanni Calibita und einem Restaurant zum Verweilen einlädt.

Von hier aus kannst du beginnen das Ghetto Ebraico oder Trastevere – auf der anderen Seite des Tiber – zu erkunden.

Viel Spaß beim Entdecken.

Show More