© 08 | 2026 Alexander Ali Tschertow – Alle Rechte vorbehalten
Es ist Sonntagmorgen, meine ersten zwei Kaffee des Tages habe ich bereits getrunken und als nächstes brauche ich ein leckeres Frühstück.
So suche ich mir eine Bar und gönne mir ein Cornetto con Crema, einen Cappuccino und weil es auch noch eine gesunde Komponente braucht, möchte ich auch noch einen frisch gepressten Orangensaft haben. Ich nehme mein Tablett mit dem Frühstück und suche mir einen Tisch vor der Bar. Wenn ich unterwegs bin, gibt es noch viele freie Tische. Sonntags vor zehn Uhr ist das nicht ungewöhnlich.
Das Cornetto con Crema ist wiedermal super gut gefüllt und zusammen mit dem Spremuta d`arancia (frisch gepresster Orangensaft) findet es in Rekordzeit seinen Weg in meinen Magen. Mein Teller, der Tisch und mein T-Shirt haben auch etwas vom Cornetto und seiner Füllung abbekommen und wahrscheinlich sind sie so glücklich und zufrieden wie ich.
Versonnen rühre ich noch gut zehn Minuten in meinem Cappuccino und überlege mir, was ich heute machen kann. Da ich gerade in Bologna weile rückt San Luca, eigentlich das Santuario della Madonna di San Luca, in den Fokus meiner Überlegungen. Wenn ich in Bologna bin, gehe ich sowieso mindestens einmal nach San Luca, denn hier ist der Weg das Ziel und der Pilgerweg durch den Portico di San Luca ist Bologna in Reinstform. Die Cafés und Gemüseläden im unteren Teil des Kolonnadenweges lassen keinen Gedanken an Askese zu und so gibt es noch einen weiteren Cappuccino und weil wir April haben gibt es noch ein paar frische Erdbeeren aus der Basilicata. Die Erdbeeren standen zwar nicht auf meiner Agenda, aber der Geruch liegt verführerisch und schwer zwischen den Bögen des Pilgerwegs aus dem siebzehnten Jahrhundert, sodass ich gar nicht anders kann.
Irgendwie ist der Weg heute deutlich voller als ich es gewohnt bin. Ach ja, heute ist Sonntag. Es sind nicht nur mehr Jogger unterwegs, auch das gemeine Pilgervolk ist heute sehr reichlich erschienen. So ist der Weg ab dem Arco del Meloncello heute so voller Menschen, wie der Schatten des Obelisken auf dem Petersplatz in Rom bei Sonnenschein und vierzig Grad.
Umkehren gibt es bei mir nicht und so schwimme ich mit den Sonntagsausflüglern mit. Nach einer Stunde bin ich endlich oben auf dem Colle della Guardia. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf Bologna und den Portico, auf dem immer noch Massen in Richtung des Heiligtums strömen und ringsum auf den Wiesen und Bänken sitzen erschöpfte und schwitzende Menschen, teilweise echt fertig aber glücklich.
Ein Hüngerchen macht sich bemerkbar und so gehe ich an den temporären Fressbuden vorbei in Richtung Vito a San Luca, wo sich wider Erwarten noch ein freier Tisch vor dem Restaurant findet. Hier gönne ich mir Tortellini in Brodo und einen Aperol Spritz und feiere meine erste gute Tat des Tages. Und nachher gehe ich vielleicht ins Kino.
Sonntags nach San Luca: Ja, das Santuario della Madonna di San Luca ist immer ein lohnendes Ziel, aber Sonntags ist der Weg dort hin wirklich sehr stark frequentiert und es ist wirklich schlauer San Luca an einem schnöden Arbeitstag heimzusuchen. Es sind einfach viel weniger Menschen auf dem Weg und auch bei Vito a San Luca findest du in der Woche immer einen Platz.






